Epigineum acuminatum oder acutilingue

Manchmal kann man in Orchideengärtnereien richtig seltene Orchideen finden. So geschehen mit Epigineum acutilingue, die ich in Schwerte vor einigen Jahren fand.

Die Pflanze stammt von den Philippinen und kommt in Höhenlagen von ca. 500m vor, ist also eher warm zu pflegen. Ich habe sie im Dachfirst, sie ist empfindlich. Die Neutriebe faulen leicht aus. Meine Pflanze sitzt in einem Granulatgemisch, was bedeutet sie wird sehr trocken gehalten.

Die Pflanze hat den neuen Namen acutilingue, der ihr 2011 von Schuiteman &Adams gegeben wurde. Leider übersahen die Autoren, dass es sich eigentlich um die schon 1957 von Summerhayes benannte Epigineum acuminatum handelte.

Die Infloreszenzen haben angeblich bis 20 Blüten, bei mir schon im 3. Jahr lediglich bis zu 4 Blüten. Dies kann natürlich auch an kleinen Bulben durch wenig Wasser und dadurch weniger Triebkraft liegen. Aber lieber eine lebende Pflanze mit wenig Blüten,  als eine tote, ausgefaulte.

Epigineum acuminatum
Epigineum acuminatum

Dendrobium nudum ein Frühlingsbote

Vor vielen Jahren erhielt ich dieses ungefähr 80 cm hoch werdende, viel triebige  Dendrobium von einem Orchideenfreund zum Geschenk. Es blüht immer zu Beginn des Frühling mit Blütenständen von zwei bis vier Blüten, die an den blattlosen Trieben entstehen. Leider halten die Blüten maximal 10 Tage.

Dendrobium nudum
Dendrobium nudum

Die Pflanze stammt aus Java und Sumatra, dort in Höhen von 1200 bis 2000m, wurde von Lindley 1830 beschrieben.

Kultur kleiner bis mittelgroßer Topf, regelmäßig wässern und düngen,  wenn die Pflanze wächst.

Nudum bedeutet nackt, warum dieser Name entzieht sich meiner Kenntnis.

Dendrobium wardianum mit leuchtenden Blüten

Immer zum Ende des Winters, jedenfalls bei mir, blüht Dendrobium wardianum ein wirklich spektakuläres Dendrobium, welches immer aus dem Vorjahrestrieb blüht. Dieser sollte durch ausreichende Wassergaben und Dünger (z.B. Orchidfocus) so versorgt werden, dass er eine Länge von ca. 50 cm erreicht und entsprechend und besonders endständig einen Durchmesser von mindestens 1,5 cm erreicht. Die Blüten entwickeln sich um Weihnachten herum und wachsen je nach Lichtversorgung sehr langsam. Sie stehen in Paaren zusammen und halten bis ca. 3 Wochen. Die Pflanze kann temperiert kultiviert werden. Sehr hell und im kleinen Topf. Mit dem Aufblühen der Blüten ist der Neutrieb erschienen, der aber jetzt sozusagen einen Wachstumsstopp hat.

Dendrobium wardianum
Dendrobium wardianum

Die Pflanze wurde 1862 von Warner   für einen Orchideenfan namens Ward, der in Thailand lebte, benannt. Sie kommt in China(Yunnan), Assam, Myanmar, Thailand, Vietnam in Höhen zwischen 1000-2000m vor. Die Bulben stehen aufrecht oder hängen über. Sie sind an den Nodien verdickt.

 

Oncidium cheirophorum dankbar und vielblütig

Oncidium cheirophorum stammt aus Südamerika und kommt in den Ländern von Nicaragua bis Kolumbien in Höhenlagen zwischen 1000 -2500m Höhe vor. Sie kommt in sog. niedrigen Bergregenwäldern vor. Soll kalt bis kühl kultiviert werden und ist ein sog. Zwerg. Die Einzelblütengröße ist kleiner als 1,5 cm im Durchmesser, die Blütenstände können bis 30 cm lang sein. Blütenfarbe leuchtend gelb.  Die dunkelgrünen Bulben sind bis 3 cm hoch, Blätter ungefähr 15 cm lang.

Oncidium cheirophorum
Oncidium cheirophorum

Ich kultiviere sie aufgebunden auf Korkeiche, sie wird regelmäßig getaucht und in der Wachstumszeit gedüngt. Nach dem Ausreifen der Bulben erscheinen  die Blütenstände, die im Januar manchmal auch schon im Dezember blühen und bis 8 Wochen halten können.

Diese Art ist ein Kreuzungspartner der bekannten Onc. Twinkle Hybriden (der andere ist Oncidium sotoanum).

Dendrochilum tenellum mit vielen kleinen Blüten

Dendrochilum tenellum kommt endemisch auf den Philippinen vor in Höhenlagen zwischen 1000 – 2300 m Höhe. Die Pflanze ist klein bis mittelgroß mit grasartigen Bulben und sehr kleinen Blüten. Sie  wurde 1907 von Ames beschrieben.

Dendrochilum tenellum
Dendrochilum tenellum

 

Kultur in kleinen Töpfen mit feinem Substrat, temperiert oder warm. Blüht im Frühjahr. Auch ohne Blüten eine Bereicherung der Sammlung. Obwohl ich sie unter der Voraussetzung gekauft habe, es wäre ein Dendrobium, denn es gibt auch ein Dendrobium tenellum, aber das ist eine andere Geschichte.

Einzelblütenstand
Einzelblütenstand

Oncidium Tiny Twinkle dunkelgelb

Diese kleinwüchsige, meist vielblütige Orchidee ist eine Kreuzung aus Oncidium cheirophorum x ornithorynchum (sotoanum). Sie wird oft zur Winterzeit sogar in Baumärkten angeboten.  Die roten Varianten dieser Kreuzung sind  in der Pflege etwas schwieriger. Meist wachsen nur die fast weißen Pflanzen gut. Leider haben sie im Gegensatz zu Oncidium ornithorynchum oft keinen Duft mehr. Vor einigen Jahren habe ich im örtlichen Baumarkt diese dunkelgelbe Pflanze ergattert; sie war halbtot, ein Schicksal was vielen Baumarktorchideen nach einigen Wochen dort droht. Nach jetzt drei Jahren hat sich die Pflanze soweit erholt, dass sie blüht.

Onc. Tiny Twinkle
Onc. Tiny Twinkle

Sie wird kühl und hell kultiviert, sie verträgt mäßige Düngung, wächst aber wie oben erwähnt sehr langsam.

Onc. Tiny Twinkle
Onc. Tiny Twinkle

Dendrobium lawesii rot pünktlich zu Weihnachten

Auf meiner Reise nach Papua Neuguinea habe ich Dendrobium lawesii nicht gefunden, leider. Allerdings steht in der Literatur, dass diese Art wohl im indonesischen Teil der Insel, also in Irian Jaya, häufiger vorkommt.

In Deutschland gibt  in den letzten Jahren fast nur rosa Farbtöne im Handel. Günter Ludwig, der viel zu früh verstorben ist, hatte schöne rot blühende Pflanzen, ob sie noch existieren, keine Ahnung.

Meine Pflanze stammt von der Gärtnerei Kopf, eine jetzt 3-triebige Pflanze aufgebunden auf  Presskork mit Farnauflage. Sie wächst relativ gut (ein Neutrieb pro Jahr) und blüht an alten blattlosen Trieben aus den oberen Nodien.

Dendrobium lawesii
Dendrobium lawesii

Beschrieben wurde die Art von F. Müller 1884 zu Ehren eines Missionars mit Namen Lawes. Sie kommt zwischen 800-2000 m Höhe vor, sie wird als mittelgroß beschrieben, die Triebe können schon über 50 cm lang werden. Die Blütenstände können bis zu 6 Blüten haben. Als Kulturtemperatur wird kalt bis warm angegeben, was erklärt, warum sie bei mir blüht.

Dendrobium derryi oder groeneveldtii ?

Anlässlich einer Einladung zu einer Artenschutzkonferenz zur Asiatisch-Pazifischen Orchideenkonferenz in Bangkok im März 2016 erhielt ich von einem thailändischen Orchideenhändler eine Nachzucht von Dendrobium hughii, die eigentlich aus Borneo kommt, seht dünne Triebe hat und reinweiße Blüten.

Wie das so ist, ich war skeptisch, kaufte das Pflänzchen aber trotzdem. Der Habitus kam mir allerdings verdächtig vor. Inzwischen ist die Pflanze etabliert und hat jetzt erstmals geblüht.

Die Überraschung war groß, denn klar es war nicht Dendrobium hughii aber Dendrobium derryi, die auf dem Titel des  Buchs “The Dendrobiums” von Howard Wood abgebildet ist (dieses Werk habe ich damals für H. Wood herausgegeben und den Fotoatlas gestaltet).

Die Pflanze wurde 1907 von Ridley nach dem Direktor des botanischen Gartens in Singapur im Jahr 1900 benannt. Sie kommt auf Borneo, Sumatra und auf der Halbinsel Malaysia in Höhen zwischen 500 und 1700m Höhe vor, z.B. in Bergwäldern auf Sandstein. Die Triebe sind ca. 15 cm lang, die Blüten haben einen Durchmesser von 2,3 cm.

Dendrobium derryi
Dendrobium derryi

Kultur hell, temperiert, kleiner Topf mit Rindensubstrat.  Eventuell trägt sie den Namen D. groeneveldtii oder auch D. viridipetalum. Diese Pflanzengruppe ist nicht ausreichend erforscht und unterscheidbar beschrieben.

Lepanthes gargoyla

Lepanthes gargoyla stammt aus Nebelwäldern in Ecuador und wurde 1988 von Luer & Hirtz für Höhenlagen von 1300m beschrieben. Angeblich kann die Pflanze warm bis kalt kultiviert werden. Ich halte meine Pflanze temperiert auf einem völlig bemoosten Gießtopf. Sie hat die Eigenschaft an einem Blütenstiel auf dem Blatt nacheinander, mehrfach im Jahr Blüten zu entwickeln. So auch jetzt, was ziemlich ungewöhnlich ist, weil ja jetzt bekanntermaßen das Licht eher fehlt. Ihre Blätter stehen an dünnen Blattstielen und sind rötlich-braun gefärbt, die Blattoberfläche ist rau, sodass auch im nichtblühenden Zustand ein interessanter “Blattpflanzenhingucker”  im Kulturraum steht. Düngung über den Gießtopfinhalt mit ungefähr 400 Mikrosiemens. Gargoylen sind landläufig steinerne Wasserspeier und in der Mythologie Nachfahren großer Reptilien, die einst den Menschen das Bauen steinerner Behausungen erlauben mussten.

Lepanthes gargoyla
Lepanthes gargoyla