Vor vielen Jahren erhielt ich dieses ungefähr 80 cm hoch werdende, viel triebige Dendrobium von einem Orchideenfreund zum Geschenk. Es blüht immer zu Beginn des Frühling mit Blütenständen von zwei bis vier Blüten, die an den blattlosen Trieben entstehen. Leider halten die Blüten maximal 10 Tage.
Dendrobium nudum
Die Pflanze stammt aus Java und Sumatra, dort in Höhen von 1200 bis 2000m, wurde von Lindley 1830 beschrieben.
Kultur kleiner bis mittelgroßer Topf, regelmäßig wässern und düngen, wenn die Pflanze wächst.
Nudum bedeutet nackt, warum dieser Name entzieht sich meiner Kenntnis.
Immer zum Ende des Winters, jedenfalls bei mir, blüht Dendrobium wardianum ein wirklich spektakuläres Dendrobium, welches immer aus dem Vorjahrestrieb blüht. Dieser sollte durch ausreichende Wassergaben und Dünger (z.B. Orchidfocus) so versorgt werden, dass er eine Länge von ca. 50 cm erreicht und entsprechend und besonders endständig einen Durchmesser von mindestens 1,5 cm erreicht. Die Blüten entwickeln sich um Weihnachten herum und wachsen je nach Lichtversorgung sehr langsam. Sie stehen in Paaren zusammen und halten bis ca. 3 Wochen. Die Pflanze kann temperiert kultiviert werden. Sehr hell und im kleinen Topf. Mit dem Aufblühen der Blüten ist der Neutrieb erschienen, der aber jetzt sozusagen einen Wachstumsstopp hat.
Dendrobium wardianum
Die Pflanze wurde 1862 von Warner für einen Orchideenfan namens Ward, der in Thailand lebte, benannt. Sie kommt in China(Yunnan), Assam, Myanmar, Thailand, Vietnam in Höhen zwischen 1000-2000m vor. Die Bulben stehen aufrecht oder hängen über. Sie sind an den Nodien verdickt.
Oncidium cheirophorum stammt aus Südamerika und kommt in den Ländern von Nicaragua bis Kolumbien in Höhenlagen zwischen 1000 -2500m Höhe vor. Sie kommt in sog. niedrigen Bergregenwäldern vor. Soll kalt bis kühl kultiviert werden und ist ein sog. Zwerg. Die Einzelblütengröße ist kleiner als 1,5 cm im Durchmesser, die Blütenstände können bis 30 cm lang sein. Blütenfarbe leuchtend gelb. Die dunkelgrünen Bulben sind bis 3 cm hoch, Blätter ungefähr 15 cm lang.
Oncidium cheirophorum
Ich kultiviere sie aufgebunden auf Korkeiche, sie wird regelmäßig getaucht und in der Wachstumszeit gedüngt. Nach dem Ausreifen der Bulben erscheinen die Blütenstände, die im Januar manchmal auch schon im Dezember blühen und bis 8 Wochen halten können.
Diese Art ist ein Kreuzungspartner der bekannten Onc. Twinkle Hybriden (der andere ist Oncidium sotoanum).
Dendrochilum tenellum kommt endemisch auf den Philippinen vor in Höhenlagen zwischen 1000 – 2300 m Höhe. Die Pflanze ist klein bis mittelgroß mit grasartigen Bulben und sehr kleinen Blüten. Sie wurde 1907 von Ames beschrieben.
Dendrochilum tenellum
Kultur in kleinen Töpfen mit feinem Substrat, temperiert oder warm. Blüht im Frühjahr. Auch ohne Blüten eine Bereicherung der Sammlung. Obwohl ich sie unter der Voraussetzung gekauft habe, es wäre ein Dendrobium, denn es gibt auch ein Dendrobium tenellum, aber das ist eine andere Geschichte.
Nach über 40 Jahren intensiver Beschäftigung mit Orchideen und dabei besonders intensiv mit Dendrobien hat eine Forschergruppe um Jim Cootes ein neu entdecktes philippinisches Dendrobium nach mir benannt. Für mich eine große Ehre. Die Erstbeschreibung erfolgte vergangene Woche, und zwar als Online-Version OrchideenJournal 5 · 1.
Diese kleinwüchsige, meist vielblütige Orchidee ist eine Kreuzung aus Oncidium cheirophorum x ornithorynchum (sotoanum). Sie wird oft zur Winterzeit sogar in Baumärkten angeboten. Die roten Varianten dieser Kreuzung sind in der Pflege etwas schwieriger. Meist wachsen nur die fast weißen Pflanzen gut. Leider haben sie im Gegensatz zu Oncidium ornithorynchum oft keinen Duft mehr. Vor einigen Jahren habe ich im örtlichen Baumarkt diese dunkelgelbe Pflanze ergattert; sie war halbtot, ein Schicksal was vielen Baumarktorchideen nach einigen Wochen dort droht. Nach jetzt drei Jahren hat sich die Pflanze soweit erholt, dass sie blüht.
Onc. Tiny Twinkle
Sie wird kühl und hell kultiviert, sie verträgt mäßige Düngung, wächst aber wie oben erwähnt sehr langsam.
Auf meiner Reise nach Papua Neuguinea habe ich Dendrobium lawesii nicht gefunden, leider. Allerdings steht in der Literatur, dass diese Art wohl im indonesischen Teil der Insel, also in Irian Jaya, häufiger vorkommt.
In Deutschland gibt in den letzten Jahren fast nur rosa Farbtöne im Handel. Günter Ludwig, der viel zu früh verstorben ist, hatte schöne rot blühende Pflanzen, ob sie noch existieren, keine Ahnung.
Meine Pflanze stammt von der Gärtnerei Kopf, eine jetzt 3-triebige Pflanze aufgebunden auf Presskork mit Farnauflage. Sie wächst relativ gut (ein Neutrieb pro Jahr) und blüht an alten blattlosen Trieben aus den oberen Nodien.
Dendrobium lawesii
Beschrieben wurde die Art von F. Müller 1884 zu Ehren eines Missionars mit Namen Lawes. Sie kommt zwischen 800-2000 m Höhe vor, sie wird als mittelgroß beschrieben, die Triebe können schon über 50 cm lang werden. Die Blütenstände können bis zu 6 Blüten haben. Als Kulturtemperatur wird kalt bis warm angegeben, was erklärt, warum sie bei mir blüht.
Anlässlich einer Einladung zu einer Artenschutzkonferenz zur Asiatisch-Pazifischen Orchideenkonferenz in Bangkok im März 2016 erhielt ich von einem thailändischen Orchideenhändler eine Nachzucht von Dendrobium hughii, die eigentlich aus Borneo kommt, seht dünne Triebe hat und reinweiße Blüten.
Wie das so ist, ich war skeptisch, kaufte das Pflänzchen aber trotzdem. Der Habitus kam mir allerdings verdächtig vor. Inzwischen ist die Pflanze etabliert und hat jetzt erstmals geblüht.
Die Überraschung war groß, denn klar es war nicht Dendrobium hughii aber Dendrobium derryi, die auf dem Titel des Buchs “The Dendrobiums” von Howard Wood abgebildet ist (dieses Werk habe ich damals für H. Wood herausgegeben und den Fotoatlas gestaltet).
Die Pflanze wurde 1907 von Ridley nach dem Direktor des botanischen Gartens in Singapur im Jahr 1900 benannt. Sie kommt auf Borneo, Sumatra und auf der Halbinsel Malaysia in Höhen zwischen 500 und 1700m Höhe vor, z.B. in Bergwäldern auf Sandstein. Die Triebe sind ca. 15 cm lang, die Blüten haben einen Durchmesser von 2,3 cm.
Dendrobium derryi
Kultur hell, temperiert, kleiner Topf mit Rindensubstrat. Eventuell trägt sie den Namen D. groeneveldtii oder auch D. viridipetalum. Diese Pflanzengruppe ist nicht ausreichend erforscht und unterscheidbar beschrieben.
Lepanthes gargoyla stammt aus Nebelwäldern in Ecuador und wurde 1988 von Luer & Hirtz für Höhenlagen von 1300m beschrieben. Angeblich kann die Pflanze warm bis kalt kultiviert werden. Ich halte meine Pflanze temperiert auf einem völlig bemoosten Gießtopf. Sie hat die Eigenschaft an einem Blütenstiel auf dem Blatt nacheinander, mehrfach im Jahr Blüten zu entwickeln. So auch jetzt, was ziemlich ungewöhnlich ist, weil ja jetzt bekanntermaßen das Licht eher fehlt. Ihre Blätter stehen an dünnen Blattstielen und sind rötlich-braun gefärbt, die Blattoberfläche ist rau, sodass auch im nichtblühenden Zustand ein interessanter “Blattpflanzenhingucker” im Kulturraum steht. Düngung über den Gießtopfinhalt mit ungefähr 400 Mikrosiemens. Gargoylen sind landläufig steinerne Wasserspeier und in der Mythologie Nachfahren großer Reptilien, die einst den Menschen das Bauen steinerner Behausungen erlauben mussten.
In der Gattung Coelogyne gibt es eine Gruppe von Pflanzen, die der Sektion Ocellatae angehören und die schwer auseinander zu halten sind. Die Pseudobulben sind mehr oder weniger kugelig, hellgrün und stehen dicht zusammen. entweder mit einem oder mit zwei Blättern, die bis 25 cm lang sein sollen (bei mir kürzer) und ungefähr 3 cm breit sind. Der Blütenstand ist protheranth, das bedeutet er erscheint vor den Blättern aus dem Neutrieb und er hat 3-6 Blüten, die im Durchmesser 4 cm erreichen, weiß sind mit 4 gelben Flecken auf den Seitenlappen und zwei gelben Scheiben mit rotem Rand auf dem Mittellappen. Normalerweise blüht die Art Mai bis Juni. Sie hat wegen des schönen, hellen Spätsommers nochmal geblüht.
Die Art stammt aus Nepal, Bhutan, Burma, Yunnan Laos, Thailand. Sie wurde 1828 von Lindley beschrieben. Sie kommt in Bergregenwäldern bis 2600m Höhe vor.
Coelogyne nitida
Sie steht im Topf, hell, ist leicht zu pflegen und verträgt während des Wachstums Dünger. Ich kultiviere sie kühl oder temperiert und mit viel Licht.